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opel-gruppe2Auch wenn man nicht mehr, wie in früheren Jahren, den Produktionsprozess hautnah erleben kann, ist der Besuch im Opelwerk Rüsselsheim eine der lohnenswertesten Betriebsbesichtigungen in unserer Region.

Für die 19 Teilnehmer unserer Gruppe beginnt die Besichtigungstour mit dem Aushändigen von Funkkopfhörern im Opelforum, wo neue zukünftige Automodelle ausgestellt sind.

Ein Bus bringt uns über das alte Fabrikgelände zunächst zu einem Informationszentrum.
Dort können wir Opelautos der ersten Stunde sehen, mit Steuerrad rechts, Schalthebel außen und manueller Benzinpumpe, um das beim Apotheker gekaufte Benzin in den Vergaser zu pumpen. Wir erfahren, dass der alte Opel 1862 mit der Fabrikation von Nähmaschinen anfing, ehe er 1886 auf die Herstellung von umweltfreundlichen Fahrrädern umstieg und ein Jahr vor der Jahrhundertwende sein erstes Automobil produzierte.

Wie diese Autoproduktion heute vor sich geht, sehen wir in einem Film, ehe uns der Bus dann ins eigentliche neue Fabrikgelände bringt. Was Opel dort selbst herstellt, sind die Karosserien. Motor und andere Teile werden von außerhalb angeliefert und zusammen mit der Karosserie zum kompletten Fahrzeug montiert. Die erste Station, die wir betreten, ist das Presswerk. Der Lärm ist recht hoch und wir müssen die Kopfhörer aufsetzen, um unseren Führer zu verstehen. Vor uns holt eine Laufkatze gerade eine 20 Tonnen schwere Blechrolle von einem Laster und deponiert sie zwischen die bereits dort gelagerten Rollen. Im Hintergrund ist eine Maschine dabei, aus einer der Blechrollen Teile abzuschneiden und auszustanzen, aus denen im weiteren Fabrikationsprozess die Teile einer Karosserie werden.
Woher der Lärm in der Halle kommt, sehen wir, als wir eine Beobachtungsbühne betreten, von der aus wir eines der gewaltigen Presswerke bei der Arbeit beobachten können. Anfänglich flache Bleche durchlaufen auf einem Fließband von links nach rechts mehrere Pressstationen und werden von den Pressstempeln im 5 Sekundentakt mit einer Kraft von bis zu 4000 Tonnen und einer Toleranz von 0.1 mm schrittweise in die endgültige Form gepresst. Die Presswerke müssen auf extra gedämpften Fundamenten stehen, damit nicht das ganze Gelände wackelt.
Von den 16 Stunden Herstellungsdauer für ein Auto, nimmt die Lackierung der Karosserie über die Hälfte in Anspruch. Für Haltbarkeit und Optik des Autos ist eine gute Lackierung entscheidend. Deshalb ist die Lackierung ein sehr aufwendiger mehrstufiger Prozess, verbraucht 8 kg Lack und erfolgt in einem Gebäude, das wir nicht betreten dürfen.Montageroboter am Werk Dafür dürfen wir den gelben Montagerobotern zuschauen, wie sie Ober-, Seiten- und Hinterteil der Karosserie zusammenheften. Im hinteren Teil der Halle sehen wir kräftig die Funken sprühen. Dort sind Schweißroboter damit beschäftigt im Punktschweißverfahren die Karrosserieteile zusammenzuschweißen.
Ganz trauen kann man den Robotern aber anscheinend nicht, denn ein Arbeiter klopft bei jeder 5. Karosserie mit seinem Hämmerchen auf das Blech, um am Klang festzustellen, ob die Schweißstellen in Ordnung sind.
Rings um die große Montagehalle, in der die Autos ebenerdig zusammengebaut werden führt im ersten Stock ein breiter Gang, von dem aus wir auf die Fließbänder und das Montagegeschehen herabblicken können. Es fällt auf, dass nicht ein und derselbe Autotyp montiert wird, sondern 5 Autotypen in unterschiedlichen Ausführungen bunt durcheinander.
Das bedeutet nicht nur mehr Abwechslung für die Monteure in ihren hellgrauen Anzügen, sondern setzt auch eine ausgeklügelte Logistik voraus. Die Roboter müssen bei jeder Karosserie wissen, wo sie die Teile zusammenfügen und verschweißen müssen. Für die Monteure muss zu jedem Auto an jeder Station das passende zu montierende Teil zum richtigen Zeitpunkt griffbereit bereitliegen.
Als Höhepunkt bei der Herstellung eines Autos gilt das Verschrauben der Karosserie mit dem Fahrzeugunterteil. Dies wird als Hochzeit bezeichnet. Wie diese Festlichkeit genau vor sich geht, kann man wegen der großen Entfernung vom Besuchergang zum entsprechenden Fließband leider nicht erkennen.Laubfrosch Dafür erfahren wir, dass die Monteure in Gruppen zu 5 Leuten zusammenarbeiten, mit einem Sprecher, der für unvorhergesehene Probleme zuständig ist. Ernste Probleme werden durch Auslösen eines Alarmtons über eine Signalleine angezeigt.
Produziert wird in 2 Schichten mit dem Ziel die Blechlawine auf unseren Straßen pro Tag um circa 800 Autos zu erweitern. Auf einer großen Tafel am Ende der Montagehalle können wir ablesen, ob die Produktion der Schicht im Sollbereich ist. Nach dem Verlassen der Montagehalle sehen wir den Testparcours, auf dem anhand von Bodenwellen und Hoppelsteinen überprüft wird, ob am fertigen Auto etwas klappert.
Die letzte Station unserer Besichtigungstour führt in die Oldtimerausstellung. Endlich eine Gelegenheit, den Fotoapparat zu zücken, nachdem Fotografieren auf dem Fabrikgelände verboten ist. Wir sehen die Autos der ersten Generation, den zum ersten Mal in großen Stückzahlen produzierten Laubfrosch, den  Raketenwagen, mit dem in den 30ger Jahren ein Geschwindigkeitsrekord von 230 km aufgestellt wurde und eine Vielzahl sonstiger Modelle aus der ganzen historischen Produktionspalette von Opel.
Als krönender Abschluss der Tour wird jedem Teilnehmer eine kleine Tüte mit Gummi(bären)autos überreicht.

 

Alfred Corbet