Jumelages Européens PTT e.V. Sektion Koblenz  
     
     

Termine

Veranstaltungen

Begegnungen

Adventskaffee

Radtour

Wanderung

Boule u Grillen

Gänseessen

Reisen

Sektionstreffen

Unsere Sektion

Ferienjobs

Stadt Koblenz

Ville d'Angers

Bundesvorstand

Unser Vorstand

Archiv

Home

   

Malta und Gozo, unsere Reise vom 22. – 29. April 2018

Früh morgens erreichen mit 3 Großraumtaxen und dem ICE aus Köln 23 frohgelaunte Malta-hungrige den Frankfurter Flughafen, wo Walter Bergmann sofort die Häupter seiner Lieben zählt. Im Flieger meldet sich der Kapitän mit sonorer Stimme: Wir nehmen die Sonne mit nach Malta. Und er behielt Recht.
Nach ruhigem Flug landen wir gegen Mittag bei angenehmen Temperaturen auf dem Airport. Dort begrüßt uns unser Reiseleiter Jonny. Der Bus mit Einstieg in Fahrtrichtung links (Links Verkehr, ein Relikt aus der Zeit der britischen Kolonialherren ) bringt uns zu unserem Hotel. Auf dem Weg dahin bietet sich ein uniformes Bild der Ortschaften im maurischem Stil. Der Kalkstein dominiert, die Landstraßen sind gesäumt von gelben Margeriten, rotem Mohn, dicht stehenden Kakteen, kleinen Parzellen von Weinbau, leuchtender Bougainvillea und Mittagsblumen. Die Häuser wirken etwas marode. Unsere Unterkunft ist ein neues 4 – Sterne – Hotel in San Pauls Bay, üppig mit großen Swimming-Pools ausgestattet und Herberge für mehrere hundert Touristen.

Montag, 23.4.: Nur einen Tag führt uns Toni. Es geht in die Kapitale des Inselstaats Valletta – eine der beiden diesjährigen Kulturhauptstädte.¬Sie ist klein, auf einem Quadratkilometer leben ca. 6000 Menschen, dichtester Verkehr, da jeder Malteser ein Fahrzeug besitzt. O-ton: „dazu ein Tsunami von Baustellen“. Ausgangspunkt ist der leicht geneigte großzügig angelegte Freedom Square , der zum stattlichen Parlamentsgebäude und den architektonisch imposanten Bauten von Renzo Piano führt, er hat das alte City Gate durch zwei kühle Betonquader ersetzt - wir blicken in enge Gässchen, die Häuser im goldfarbenem Kalkstein, mit vielen Erkern unterschiedlicher Bauweise, Material und Farbgebung. Z.T. verschönern zusätzlich gusseiserne Balkons die Fassade. Wir werfen einen kurzen Blick in das nahe gelegene Freilufttheater, erbaut in die Ruinen des im 2.Weltkrieg zerstörten Opernhauses - auch hier war Renzo Piano federführend. Nun folgen wir Toni bergan in die Upper Barracca Gardens, dem höchsten Punkt der Stadtbefestigung, eine hübsche Parkanlage mit Geranienrabatten, Statuen und Säulengängen, eine ideale Aussichtsterrasse für einen unvergesslichen Blick auf den Grand Harbour, unter uns ein Jachthafen, Kreuzfahrtschiffe, wehrhafte Anlagen, die große Werft und der gegenüberliegende Stadtteil Senglea, den wir später noch vom Wasser aus und zu Fuß näher kennen lernen werden  Ein nächster Höhepunkt war die St.John`s Co –Cathedral - ein mächtiger barocker Bau, drinnen ca.400 Grabplatten von Rittern des Johanniterordens mit schönen Einlegearbeiten aus buntem Marmor, die den Fußboden bilden. Seitenkapellen der verschiedenen Landsmannschaften und dem berühmten Gemälde von Caravaggio‘s „Enthauptung von Johannes dem Täufer“.
Außen erinnern Fotos, Blumen, Kerzen und Transparente an die 2017 ermordete maltesische regierungskritische Journalistin Daphne Caruana Galizia.

Ein Steinwurf entfernt liegt der Großmeisterpalast mit Sitz des maltesischen Präsidenten – wertvollen Gobelins und einer aktuellen, kleinen Picasso- und Miroausstellung, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der Tag endet mit einem Besuch der Multimediashow „Malta Experience“, die uns die bewegte, fast 6000jährige Geschichte Maltas in Bild und Ton eindrucksvoll vermittelt. Malta auf dem Schnittpunkt der wichtigsten Seewege durch das Mittelmeer, über Jahrhunderte hart umkämpft und fremd beherrscht.
Der Auftakt unserer Studienreise mit geballter Information von Toni liegt hinter uns und so war der Aufenthalt auf der Hotelterrasse nach dem Essen eine willkommene Entspannung.

Dienstag, 24.4.: Ab heute ist nun Jonny unser Reiseleiter bis zum Ende des Aufenthalts. Er stellt uns den Fahrer mit den Worten vor: „Heute fährt der Sohn, morgen der Vater und übermorgen der Hl. Geist“. Mit diesem Vertrauensvorschuss geht die Fahrt nach Mostar mit dem Besuch der drittgrößten europäischen Kuppelkirche – 60 Meter hoch und einem Durchmesser von 54 Meter –wir hören, dass eine nicht explodierende deutsche Fliegerbombe die mächtige Kuppel seinerzeit durchschlagen und zum Glück keine größeren Schäden angerichtet hat. Auf dem Weg nach Mdina - früher Hauptstadt und Sitz des maltesischen Adels –kurzer Abstecher zu einer Glasbläserei; wir bewundern die manuelle Geschicklichkeit der Arbeiter bei der Gestaltung von Schmuck, feinsten gläsernen Figuren, großen und kleinen Vasen und alles unter den schwierigen Bedingungen einer permanenten Hitzeeinwirkung, wo schnelles künstlerisches Gestalten gefragt ist.

Mdina – heute 370 Einwohner – liegt weithin sichtbar - wie ein Adlernest auf einem Kalksteinplateau und ist von einer Stadtmauer mit noch drei gut erhaltenen Toren umgeben zum  Schutz gegen die Überfälle der Araber.  Wir schlendern durch enge Gässchen, nehmen wieder die malerischen bunten Erker wahr, gehen an aufwändig gestalteten Portalen mit überdimensionalen Messingtürklopfern vorbei und stehen bald vor der Stadtmauer. Von hier können wir während der Mittagspause eine herrliche Aussicht über die Insel genießen, die entfernt liegende Kuppelkirche von Mostar immer im Blick. Außerhalb der Stadtbefestigung schließt sich unmittelbar Rabat an. Wir besuchen ein freigelegtes Stadthaus - eine römische Villa mit Mosaikböden – unweit davon öffnet sich eine ausgedehnte Anlage mit Katakomben – eine unterirdische Welt mit aus Felsen gehauenen Gräbern. Am Nachmittag führt uns ein erholsamer, schattiger Spaziergang durch den größten, zusammenhängenden Wald der Insel mit Zypressen, Pinien und Orangenbäumen.

Mittwoch, 25.4.: Der Wettergott meint es weiter gut mit uns. Entlang der Küstenstraße – vorbei an Salinen, Judasbäumen und jetzt voll erblühten Oleanderbäumen in rosa, rot und weiß - steht uns heute ein besonderes Highlight bevor – eine Bootsfahrt durch den großen Naturhafen – Grand Harbour. Am ersten Tag hatten wir uns von den Upper Barraca  Gardens aus einen Überblick verschafft und die wahre Ausdehnung nur ahnen können. Jetzt war das Hafenbecken erlebbar geworden. Es geht an einer kleinen Bootshaussiedlung vorbei und wir erreichen wieder die Mauern von Valletta, die wie mächtige Felsen aus dem Meer ragen, der Blick geht nach oben, doch bald versperren zwei Ungetüme von Kreuzfahrtschiffen die Aussicht auf die schönen Sandsteinhäuser. Ein kleiner Schlenker und wir waren mitten in einem Jachthafen mit repräsentativen „Bötchen“ der Reichen. Unser Schiff fährt in die nächste Bucht, der Hafen wird industrieller, vorbei an Trockendocks, eine Bohrinsel mit riesigen Metallständern, die Halbinsel Senglea ragt wie ein Finger in den großen Hafen. Die Digitalkameras und Smartphones können die sich bietenden Motive und Ausblicke kaum einfangen. Immer wieder der Hinweis Valletta – die Kulturhauptstadt 2018! Der Naturhafen ist zu Recht ein großes Erlebnis und Jonny: „schöner als der Hamburger Hafen“! Man kann ihm beipflichten. Den Nachmittag konnte jeder nach Gutdünken verbringen. Einige lockte es an den Pool des Hotels, andere zogen einen Besuch des Aquariums vor, und ein wagemutiges Quartett suchte per Bus die viel gepriesene Bucht „Golden Bay“ mit Sandstrand auf, einschließlich sportlicher Testung der Wassertemperatur, nicht nur mit dem kleinen Zeh! Glasklares Wasser und unterschiedliche blaugrüne Schattierungen! Eine wunderbare Erfrischung!
Und nach Sonnenuntergang schwärmten viele auf der Terrasse unseres Hotels von den Freizeitaktivitäten der letzten Stunden.

Donnerstag, 26.4.: Heute bringt uns der Bus mit seinem sehr umsichtigen Fahrer nach Süden. Es wechseln sich bunte Felder ab. Wir erfahren, dass im April schon die erste Getreideernte (Gerste, Weizen) eingeholt wird. Artischockenfelder, Weingärten und Kartoffelanbau verleihen der Insel die grünen Farbeindrücke. Wir blicken auf Mdina mit seiner typischen Silhouette hoch oben auf dem Plateau, vorbei an riesigen Kalksteinbrüchen geht es zur Blauen Lagune. Ein erster Stopp auf der Höhe vermittelt atemberaubende Ausblicke in die Tiefe mit zerklüfteten Felsen; ein Boot mit Touristen vermittelt den Eindruck einer bunten Nussschale. Gleich werden wir selbst in einem Boot sitzen – der Wellengang heute lässt es zu , uns vom klaren blauen Meerwasser zu überzeugen, es geht in kleine Höhlen, ohne dass es ganz dunkel um uns herum wird. Ein besonderes Erlebnis beim Anblick der mächtigen von Wind und Wetter bizarr gestalteten Kalkwände. Wieder an Land sind wir gespannt, den ersten Tempel aus der frühen Steinzeit zu sehen - Tarxien Tempel - die größte aus vier Tempeln bestehende Anlage Maltas. Unser Guide ist stolz zu verkünden, dass der Komplex noch älter als Stonehendge ist. Entstanden zwischen 4000 und 2500 v. Chr. haben die Baumeister unfassbare Leistungen vollbracht. Es wurden Blöcke aus den Felsen gehauen und auf Steinkugeln transportiert. Es entstanden Skulpturen von Frauenkörpern - wie man in dem zugehörigen Museum erfahren kann. Eine 3D-Filmvorführung (ein skurriles Bild mit gelb umrandeten Brillen!) rundete die Informationen über die erste Megalithenkultur ab. Mittagessen in einem hübschen Fischerdorf – Marsalokk, mit vielen bunt angemalten kleinen Booten. Gestärkt erleben wir am Nachmittag noch unterirdische Grotten – Ghar Dalam – mit Stalaktiten und Stalakmiten. Doch der Besichtigungstag hatte noch einen weiteren Tempel – Hagar Qim – im Gepäck; ein weiteres Monument aus prähistorischer Zeit. Ermattet freuten wir uns auf das üppige Buffet im Hotel – mit mehreren Gläsern Rosé, der im Lauf der Woche eindeutig als Nahrungsmittel favorisiert wurde! Am Abend entstand die Idee, entlang der Strandpromenade zu schlendern, auch bei Nacht eine weniger einladende Front – eine gemütliche Bar ward  bald gefunden und so stärkten wir uns teils mit Bier, teils mit „Tequila Sunrise“ bei kühlem Wind, die richtige Grundlage für einen guten Schlaf bis zum nächsten Sonnenaufgang, denn dann war eine Fahrt zur Insel Gozo geplant.

Freitag, 27.4.: Wir fahren schon früh zur Anlegestelle, die Überfahrt bei steifer Brise dauert nur eine halbe Stunde - und da liegt sie vor uns, die kleine Hafenstadt am Hang der Insel Gozo, wieder ein reizvolles Fotomotiv bei Morgensonne. Wir steigen in den Bus: der unmittelbare Eindruck: saubere Straßen, gepflegte Blumenrabatte, grüner und ländlicher als Malta. Erster Anlaufpunkt ist die hochgelegene Kalypso Grotte. Traumhafte Ausblicke in die Tiefe u.a. auf die Ramla Bay mit dem schönsten Sandstrand der Insel nehmen uns gefangen. Nicht weit von hier liegt eingebettet in eine großartige Landschaft eine weitere Tempelanlage aus der Zeit 5000 v. Chr. Immer wieder staunt man, dass es möglich war, große Steinblöcke oder bearbeitete Steine zu transportieren, um sie dann horizontal oder senkrecht zu positionieren.
Es ist Mittagszeit und die Stunde der Siesta ruft. Ziel war ein idyllisch gelegenes kleines Fischerdorf, das sich jetzt zu einem schmucken Touristenort gemausert hat. Wir entspannen im Freien beim Blick über blaues Wasser in eine schmale Bucht, eingerahmt von steilen Felswänden. Am Nachmittag lohnt ein weiterer Halt in der näheren Umgebung den Dwerja See. Mühsam der Weg zum Wasser auf felsigem, zerklüfteten mit versteinerten Muscheln übersäten Untergrund - nichts für hochhackige Schuhe. Allein wegen der grandiosen Fernsicht hat sich der Anmarschweg gelohnt. Auf dem Weg zur Inselhauptstadt Viktoria gibt es noch einen kurzen Stopp an der ca. 1920 erbauten Kathedrale TA Pinu, ein Wallfahrtsort inmitten einer unberührten Natur. Ausgestattet mit reichen Mosaiken und Votivgaben wurde die Kirche seinerzeit auch von Papst Johannes Paul II besucht.

Im mittelalterlichen Viktoria können wir uns von den Ausmaßen der pompösen Citadelle überzeugen, eine langgezogene Treppe bringt uns in das Innere des Festungskomplexes, wir erreichen die mächtige Stadtmauer und können in einem Rundumblick die Ziele des heutigen Tages noch einmal nachvollziehen. Nach so mannigfaltigen Eindrücken lassen wir uns etwas erschöpft vom Bus zum Fährhafen bringen und nur die kühle Meeresluft vermag in uns die Lebensgeister wieder zu erwecken.

Samstag, 28.4.: Am vorletzten Tag sind die Städte Senglea und Vittoriosa zum Greifen nahe. Erste Stadtansichten hatten wir ja zuvor von den Barraca Gardens und vom Schiff im Bild festhalten können, nun sind wir zu Fuß unterwegs. Wenige Touristenströme stören das Bild. Wir schlendern zum Hafen. Wo heute die Luxusjachten der reichen Malteser liegen, übte früher das britische Militär. Ehemalige Trockendocks sind verschwunden und haben Platz für einen libyschen Investor geschaffen. Nahtlos schließt sich Vittoriosa an mit immer neuen malerischen Häuserfronten. Wir durchschreiten das „Tor der Provence“ und stehen bald vor dem Inquisitorenpalast. Wir erfahren, dass vom Papst bis 1798   62 Inquisitoren eingesetzt wurden. Über die Zahl der Opfer wird Stillschweigen gewahrt. In einem nahegelegenen Café gönnten wir uns eine Ruhepause, die aber bald von einem ohrenbetäubenden Lärm von heranbrausenden Harley Davidson Jüngern unterbrochen wurde. Große Aufregung in der Gruppe, denn wer hat schon einmal so viele Kultobjekte aus der Nähe betrachten können. Die Kameras klickten - vor einer solchen historischen Kulisse!
Für den letzten Abend
  hatte Walter Bergmann eine zündende Idee: Valletta „by night“! Taxen übernahmen den Transport. Wir spazieren durch die uns inzwischen bekannten Straßen und Plätze, die illuminiert und bei Fast-Vollmond durchaus romantisch wirkten und auch auf ältere Herrschaften einen besonderen Reiz ausübten. Ein Absacker im Anblick der Kathedrale war der Abschluss eines erlebnisreichen Maltaaufenthaltes. Eine Fülle historischer Fakten, städtebaulicher Eindrücke und floraler Akzente in einer vom Kalkstein beherrschten Inselwelt nehmen wir mit nach Hause.

Es ist Sonntag, der 29.4.: Die Koffer sind gepackt und unser Bus bringt uns am Mittag zum Flughafen. Mit Dankesworten und einem Briefumschlag verabschiedet sich Walter Bergmann von Busfahrer und Jonny. Unser Dank gilt in besonderer Weise Walter, der uns in gewohnt souveräner Manier bis zum letzten Verfrachten in die Taxen in Frankfurt begleitet hat. Auch er wurde vom Vorsitzenden der Jumelage mit einem Umschlag und einem lustigen Vers bedacht:

„Oh wie schön ist es in Malta, bist auf Reisen du mit Walta“.

Text Willi Steinert 

Fotos Walter Bergmann und Dittmar von Schilling